Donnerstag, 2. Juni 2011

SQL Server Versionen & Editionen im Vergleich – Entscheidung vor dem BI Projekt?

Immer wieder werde ich gefragt, welche Edition denn nun für ein BI Vorhaben bzw. Projekt die geeignete sei? Hintergrund dieser Frage ist häufig die Entscheidung zwischen der sogenannten “Standard” und “Enterprise” Edition.

Des Weiteren kommt häufig die Frage, ob sich denn der Wechsel auf eine aktuellere Version lohnen würde? Viele Kunden von Microsoft haben einen SQL Server 2008 im Einsatz und noch mehr einen SQL Server 2005. Und natürlich gibt es noch durchaus Anwender des SQL Server 7 & 2000, aber da stellt sich aus Supportsicht die Frage eigentlich nicht.

Oft kommt auch noch die Frage, ob sich denn das Warten auf die nächste Version lohnen würde. Zurzeit warten wir ja alle ganz gespannt auf SQL Server 2011 aka Denali.

Und natürlich ist der Fragesteller dann immer schnell bei der Hand die guten alten “Best Practices” zu bemühen. Also da muss es doch auch so eine richtig vs. falsch Regel für geben. Wieder mal gibt es diese nicht, denn die Antwort auf so eine Frage kann natürlich nur das wiederum gute alte “Kommt ganz drauf an…” sein.

Ach ja, das Thema Lizenzierung lassen wir mal für den Moment ganz außen vor, ist aber nicht weniger spannend! Glaubt mir!

Ich will hier nun keinen detaillierten Vergleich der Editionen durchführen. Dafür hat Microsoft selbst gute Seiten. Siehe unten.

Fangen wir mit der häufigsten Frage an. Welche Edition für das Projekt?

Immer wieder habe ich in Workshops und Proof-of-Concepts die Diskussion, dass Kunden & Partner erwarten die gerade für sie “selbstverständlichen” Features in der Standard Edition vorzufinden. Mein Einwand ist dann meist, dass es sich da um ein semantisches Missverständnis handelt. Nicht nur, dass der SQL Server mit seinem Namen eh schon ein Problem hat, da die wenigsten BDM bei etwas mit diesem Namen eine komplette “Data Plattform inkl. BI” vermuten, sondern auch “Standard” in Abgrenzung zu “Enterprise” ist verwirrend in der Kommunikation.
Daher beantworte ich diese Frage meist damit, dass in meinem Verständnis die “Enterprise” Edition die eigentliche “Standard” Edition ist. Schon verwirrend, was für Labels der Hersteller da auf seine Boxen klebt. :-)

Die eigentliche “Enterprise” Edition, also das was viele damit verbinden (GROSSE Umgebungen…), ist für mich die “Data Center” Edition. In der “Data Center” Edition liegt zum Beispiel die Premium Edition von StreamInsight bei. Die wird benötigt für Umgebungen mit mehr als 5000 Events pro Sekunde und einer Latenz unter 5 Sek. Das ist sehr wahrscheinlich gar nicht so selten. Wesentlich bekannter ist die Eigenschaft, dass sie tatsächlich alle verfügbaren CPUs des Betriebssystems unterstützt. Und wem das nicht genug ist, kann ja gerne mal auf die “Fast Track” Konfiguration und “Parallel Data Warehouse” Edition hinweisen!

Nur was sind denn jetzt die wesentlichen Unterschiede in den Editionen (Standard vs. Enterprise) bezogen auf Business Intelligence Projekte?

Unterscheiden wir mal die einzelnen Dienste des SQL Server 2008 R2:

In der Datenbank Engine sind die wesentlichen Unterschiede in der “Enterprise” Edition:

  • wichtig für Data Warehouse Umgebungen
    • Partitionierung in der relationalen Datenbank
    • Parallele Indexvorgänge
    • volle Unterstützung von Indizierte Sichten
    • Datenkomprimierung
    • Optimierung von Sternjoinabfragen
    • SQL Server Audit
    • Transparente Datenbankverschlüsselung
  • praktisch für Integrationsprozesse (ETL/ELT) im Quellsystem
    • Datenbank-Momentaufnahmen (Snapshots)
    • Change Data Capture
In den SQL Server Integration Services (SSIS) kommt folgendes hinzu:
  • High-Performance-Oracle-Ziel
  • High-Performance-Teradata-Ziel
  • SAP BW-Quelle und –Ziel (ja, ja… so etwas gibst!)
  • Zieladapter des Data Mining-Modelltrainings
  • Zieladapter für Dimensionsverarbeitung
  • Zieladapter für Partitionsverarbeitung
  • Persistente Suchen
  • Fuzzygruppierung und –suche
  • Ausdrucksextrahierung und -suche
Bei den Analysis Services (SSAS) würde uns ohne “Enterprise” Edition folgendes fehlen:
  • Partitionierte Cubes
  • Finanzaggregationen & Kontointelligenz
  • Semiadditive Measures
Vorsicht, das liest sich hier für die SSAS jetzt von der Menge her nicht sehr tragisch, kann einen Architekten bzw. Berater aber empfindlich eingrenzen und leicht zum Misserfolg eines Projektes führen!

Und bei den Reporting Services fehlt uns eigentlich “nur” das Feature “Datengesteuerte Berichtsabonnements”, aber auch das kann fehlen. Und immer daran denken, dass nachmachen nicht gilt! :-)

Master Data Services und PowerPivot für SharePoint haben wir nur ab der “Enterprise Edition”!

Wie kann nun im Rahmen eines Proof-of-Concepts entschieden oder in den ersten Projekt Phasen eine belastbare Entscheidung herbeigeführt werden für die Auswahl einer Edition? Wie oben bereits gesehen, hängt die Auswahl der Edition stark von den Anforderungen ab! Daher ist es sehr wichtig den Anforderungskatalog für das geplante Projekt durchzugehen und zu klären, ob echte Showstopper dabei sind. Sofern sich die Projektbeteiligten nicht einig sind, ob die Features wirklich benötigt werden, empfehle ich einen Piloten auf Basis der kostenlosen “Evaluierung” Edition aufzusetzen. Diese Edition hat den Umfang der “Enterprise” Edition.

Nun zur Wahl der Version. Wichtig der Hinweis, dass diese Entscheidung, wenn sie denn tatsächlich ansteht, vor der Wahl einer Edition erfolgen sollte.

Hier ist der Rat sehr einfach. Eigentlich sollte immer auf die aktuell verfügbare Version zurückgegriffen werden. Wenn bereits eine Version vorhanden ist und keine Möglichkeiten bestehen im Rahmen des Lizenzvertrages mit Microsoft auf die aktuelle Version zu wechseln, also eine nicht kostenneutrale Entscheidung ansteht, dann empfehle ich wieder auf Basis des Anforderungskatalogs zu klären, welche neuen Features benötigt werden.

Ein häufiger Grund für den Wechsel von 2008 auf 2008 R2 waren in der Vergangenheit u. a. die zahlreichen Erweiterungen der Reporting Services.

Ein Hinweis noch zur sogenannten “Developer Edition”, da diese relativ unbekannt ist. Mit dieser dürfen Entwickler bzw. BI Berater auf Entwicklungssystemen bzw. lokalen Rechner isoliert von den produktiven Systemen an der Lösung arbeiten. Solche extra Server sind bei anderen Herstellern immer recht kostenintensiv, bei Microsoft hat sich über Jahre ein Preis von unter 100€ pro Lizenz gehalten. Das ist äußerst günstig und sollte in Projekten auf jeden Fall genutzt werden, da es zumindest keinen lizenztechnischen Grund gibt direkt auf dem produktiven Systemen die Lösung weiterzuentwickeln.

Bei allen Angaben in diesem Post beziehe ich mich als Quelle auf diese Seite von Microsoft: http://technet.microsoft.com/de-de/library/cc645993.aspx
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